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3. Der Achtsamkeitskurs und Schmerz

Geboren werden, aufwachsen, sterben, krank sein: scheinbar ganz einfache und ständig geschehende Dinge. Die Menschen haben aber in Bezug auf sie vielschichtige und veränderliche Haltungen entwickelt, die nicht nur ihren Sinn verändern, sondern mitunter auch die Folgen, die sie zeitigen können.
(Michel Foucault 1984)

Man unterscheidet zwischen akutem und chronischem Schmerz. Der akute Schmerz tritt bei plötzlich auftretenden inneren und äußeren körperlichen oder emotionalen Verletzungen auf und klingt nach Versorgung und/oder Heilung der Ursache wieder ab. Anderes verhält es sich mit chronischem Schmerz, der entweder in Wellen auftreten kann, wie etwa bei Migräne oder dauerhaft vorhanden sein kann, wie bei Muskelschmerzen, Schmerzen des Verdauungstraktes oder Schmerzen, die durch eine chronische Erkrankung hervorgerufen werden uvm.. Viele Menschen leiden ganz erheblich unter diesen körperlichen Phänomenen und sind dadurch teilweise in ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt.

Wie kann nun MBSR helfen?

Schmerz, egal ob akut oder chronisch ist zunächst ein körperliches Phänomen, welches wir als extrem unangenehm und zu vermeiden bewerten. Dies ist aus evolutorischer Sicht sinnvoll, da wir dadurch gut auf die Unversehrtheit unseres Körpers und unserer Seele achten um keinen Schmerz verspüren zu müssen.

Bei chronischen Schmerzen ist es aber manchmal so, dass Schmerz empfunden wird, obwohl kein objektiver Auslöser vorhanden ist. Oder es ist ein objektiver Auslöser z.B. bei einer chronischen Erkrankung vorhanden und es bedarf eines Weges um mit diesem Phänomenen umzugehen.

Auch hier üben wir zusammen Achtsamkeit, das heißt die liebevolle, gelassene und ruhige Beobachtung des Phänomens Schmerz. Das mag am Anfang sehr schwierig erscheinen, denn wir wollen den Schmerz ja eigentlich loshaben. Allerdings werden bei ruhiger und vertrauensvoller und vor allem nicht wertender Beobachtung einige Dinge deutlich. Der Schmerz ist nie gleich. Er variiert stark an Intensität, Lokalität. Außerdem sind mit dieser Körperempfindung viele Gedanken wie: „das ist so schrecklich“, „wieso gerade ich“, „jetzt ist der immer noch da“, „ich bin so verzweifelt“, „das halte ich nicht aus“, „so kann ich mein Leben nicht leben“, „ich will, dass der endlich aufhört“, und Gefühle von Hilflosigkeit, Mutlosigkeit, Verzweiflung usw. verbunden. Durch konsequentes Üben lernen wir, diese Gedanken und Gefühle als Phänomene zu erkennen, die in unser Bewusstsein eintreten und nach einiger Zeit wieder austreten. Dadurch verlieren diese mit der Zeit ihre Macht über uns und treten im Zuge dessen auch von ganz von alleine immer seltener auf. Aus diesem Zustand der inneren Gedanken- und Gefühls-Ruhe heraus ist auch der Schmerz oft schon nicht mehr so schmerzhaft. Er wird zunehmend möglich diesen als ein körperliches Phänomen zu erkennen, das einem ständigen Wandel unterworfen ist. Es wird klarer, dass der Großteil des Leidens durch die negative Bewertung des Schmerzes und nicht durch diesen Selbst entsteht. Menschen, die diesen Weg der inneren Erforschung gegangen sind und weiterhin gehen berichten davon, dass Sie sich weit weniger von ihren Schmerzen beeinträchtigt fühlen, dass der Schmerz zum Teil sogar verschwindet, dass Sie neue Lebensenergie und Kraft schöpfen und ihr Leben wieder gut gestalten können. Ich möchte Sie dazu ermutigen sich auch auf diese Erforschungsreise zu begeben, um diese Effekte auf ihr Körper-Seele-Geist-System zu erfahren.