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4. Achtsamkeit und Angst

Angst ist die Bezeichnung für ein Konglomerat von verschiedenen körperlichen, gedanklichen und emotionalen Phänomenen, welche von einer Ebene in uns als sehr negativ, ja gefährlich und zu meiden bewertet werden. Angst hat aus evolutorischer Sicht die überlebensnotwendige Aufgabe, uns vor Situationen bzw. Dingen zu schützen, die uns schaden und damit unser Leben in Gefahr bringen könnten. In der heutigen/zivilisierten Welt sind solche Situationen selten geworden und trotzdem leiden mehr Menschen an Ängsten als je zuvor. Diese Ängste können sich auf Dinge oder Situationen im Außen (Fahrstühle, Spinnen, Plätze, berufliche Herausforderungen, private Herausforderungen etc.) oder innere Phänomene wie Herzklopfen, Atemfluss, Kribbeln, Schmerzen oder das Wissen um eine Krankheit uvm. beziehen. Leider ist der Zustand der Angst meist nicht der nützlichste, wenn wir die Herausforderungen des Lebens meistern wollen, und leider ist die Angst nicht durch Gedanken wie – das ist doch garnicht gefährlich, jetzt stell Dich nicht so an etc. zu lösen.

In der Meditation lernen wir, alle Phänomene, die in uns von Moment zu Moment auftreten, gelassen und klar zu beobachten. Nach einiger Zeit des vertrauensvollen und beharrlichen Übens kann uns das auch mit dem Phänomen Angst gelingen. Wir können in der Meditation zu einer Ebene in uns finden, von welcher aus wir das Kribbeln, die Anspannung der Muskeln, den Schweißausbruch, die Veränderung des Atems, die in alle Richtung schießenden Gedanken und die dadurch hervorgerufenen Emotionen beobachten können, ohne uns davon fortreißen zu lassen. Das mag am Anfang wie ein Ding der Unmöglichkeit erscheinen, aber nach einiger Zeit des Übens werden wir vielleicht feststellen, dass Angst eigentlich garnicht so gefährlich ist. Aha – da geschieht dies und jenes im Körper. Aha – da kommen diese und jene Gedanken dazu und ich weiß mittlerweile, wie ich mit diesen Gedanken umgehen kann, bzw. dass ich diese nicht ganz so ernst nehmen muss und aha das löst diese Emotion aus und vielleicht möchte ich erforschen, ob diese Emotion nicht in Wirklichkeit einfach eine Mischung aus Gedanken und Körperempfindungen ist. Und da gibt es ja noch diese Ebene in mir, die von all diesem unbeeindruckt ist. Vielleicht ist das am Anfang nur ganz zart zu spüren, aber nach einiger Zeit des Übens wird diese Erfahrung vielleicht immer präsenter. Und wir machen die Erfahrung, dass Angst – genau wie jedes andere Phänomen in uns nach einiger Zeit des gelassenen, geduldigen Beobachtens von selbst wieder verschwindet und einer neuen Erfahrung Platz macht. Das gelassene Untersuchen des Phänomens Angst in uns und die Erfahrung, dass wir nicht die Angst sind, kann mit der Zeit zu einer tiefen Entspannung im Bezug auf dieses Phänomen führen – allerdings ist dazu auch ein gehöriges Stück innerer Arbeit notwendig – denn auch das ist Meditation bisweilen – harte Arbeit.

Wir können in der Meditation lernen uns aus der Versklavung der Angst oder des Stresses oder des Leidens zu lösen, indem wir ganz genau untersuchen, was es damit eigentlich wirklich auf sich hat und indem wir erfahren, dass all dies auch nur Phänomene sind, die kommen und gehen, während wir in entschlossener Stille sitzen und wahrnehmen.